TB-500 gehört zu den Themen, bei denen die Details mehr zählen als die Schlagzeilen. Diese Seite bündelt Hintergrund, Wirkmechanismen und die praktischen Punkte, die am häufigsten gefragt werden.
Stand 2026-01-26. Zahlen und Beschreibungen folgen der Fachliteratur und nicht dem Marketingmaterial.
=== Nachgeburtliche Operation === Bereits im 19. Jahrhundert erfolgte die Therapie operativ. Eine Spina bifida aperta muss wegen des Risikos einer Infektion spätestens in den ersten Tagen nach der Geburt operativ verschlossen werden, wobei eine Variante das Überhäuten mit Hirnhaut ist. Die häufig vorhandene Neurogene Blase benötigt meistens eine dauerhafte Therapie, da es ansonsten zu einem Verlust der Nierenfunktion kommen kann. Da die meisten Menschen mit Spina bifida ihr gesamtes Leben lang mehr oder weniger medizinische und lebenspraktische Begleitung sowie Hilfestellung in Anspruch nehmen und besonders im Kindesalter oft ausgedehnte Rehabilitationsmaßnahmen auf orthopädischem und urologischem Fachgebiet vonnöten sind, wird ein hohes Maß an Kooperation des betroffenen Kindes und seiner Umgebung vorausgesetzt.
Quellen: de.wikipedia.org
=== Offene pränatale Operation === Eine Spina bifida kann bereits pränatal operiert werden. In den USA wurde von 2003 bis 2010 eine prospektive randomisierte Studie („MOMS-Trial“) über den Nutzen der offenen Fetalchirurgie bei dieser Erkrankung durchgeführt. Die Studie wurde nach einer Zwischenanalyse (von 183 Ergebnissen der geplanten 200 Operationen) vorzeitig beendet, da aufgrund mehrerer überzeugender und statistisch signifikanter Vorteile der Gewinn für die vorgeburtlich operierten Kinder bereits auf der Hand lag: Eine Ableitung von Hirnwasser wegen eines Hydrocephalus war im Alter von 12 Monaten bei nur 40 % der pränatal operierten Kinder notwendig, im Gegensatz zu 82 % der postnatal operierten (p<0,001). Nach vorgeburtlicher Chirurgie ergab sich ebenso ein besserer Befund bezüglich der mentalen und motorischen Entwicklung (p=0,007) wie auch eine Abnahme der als Chiari-II-Malformation bezeichneten Verlagerung von Kleinhirn- und Hirnstammanteilen in den Rückenmarkskanal der Halswirbelsäule. Allerdings war das offene Operationsverfahren, bei dem die Eröffnung des Bauches und der Gebärmutter der Schwangeren über größere Schnitte erforderlich ist, um den offenen Rücken des Feten verschließen zu können, mit erheblichem mütterlichem Trauma sowie Komplikationen begleitet. In Europa wird diese Form des Eingriffs nur an wenigen Kliniken durchgeführt. Janusz Bohosiewicz hat an der Universitätsklinik in Katowice/Polen seit 2003 bereits mehr als 40 Ungeborene offen-fetalchirurgisch operiert.
Quellen: de.wikipedia.org
=== Minimalinvasive pränatale Operation === Bereits im begleitenden Editorial zur Publikation des MOMS-Trials wurde die Entwicklung einer weniger invasiven vorgeburtlichen Operationsmethode gefordert. Dabei wurde nicht erwähnt, dass ein solches schonenderes, fetoskopisches Verfahren in Deutschland bereits 2003 von dem Kinderarzt Thomas Kohl entwickelt und seitdem in über 200 Operationen optimiert wurde. Ziel dieses minimalinvasiven Verfahrens ist es, die Eröffnung des Mutterbauches und der Gebärmutter durch größere Schnitte völlig zu vermeiden. Stattdessen wird das Ungeborene beim fetoskopischen Verfahren durch drei kleine Röhrchen (Trokare) mit einem Außendurchmesser von jeweils nur 5 mm erreicht. Diese werden ultraschallgesteuert über eine jeweils wenige Millimeter umfassende Inzision direkt durch die mütterliche Bauchdecke und Gebärmutterwand in die Fruchthöhle vorgeschoben. Nach teilweiser Entfernung des Fruchtwassers und Auffüllen der Fruchthöhle mit Kohlenstoffdioxid (partial amniotic carbon dioxide insufflation = PACI) wird das ungeborene Baby so gelagert, dass sein offener Rücken chirurgisch präpariert und mit einem Flicken abgedeckt werden kann. So kann erreicht werden, dass das freiliegende Rückenmark über den Rest der Schwangerschaft hinweg vor Fruchtwasser, Stuhl und mechanischer Schädigung geschützt wird. Da der Verschluss wasserdicht ist, wird auch ein ansonsten über den Schwangerschaftsverlauf anhaltender Verlust von Hirnwasser über die Spina bifida in die Fruchthöhle verhindert.
Quellen: de.wikipedia.org
Hierdurch kann die Verlagerung von Kleinhirn und Hirnstamm (Chiari-Malformation Typ II) in den meisten Fällen weitgehend rückgängig gemacht werden. Das Operationsverfahren ist zwar technisch schwierig, dennoch gelingt es inzwischen fast durchgängig, den Rücken über der Fehlbildung sicher zu verschließen. Kritiker des minimalinvasiven Verfahrens monierten noch im Frühjahr 2012, es gebe über die Wirksamkeit dieses Eingriffs und seiner Risiken für Mutter und Feten, sowie das Outcome der so operierten Kinder, noch keine ausreichenden und wissenschaftlich fundierten Untersuchungen. Lediglich Teilgruppen der pränatal fetoskopisch operierten Kinder seien bislang unabhängig nachuntersucht worden. Von Seiten eines Berliner Kinderarztes und Mitarbeiters der Spina-bifida-Ambulanz der Berliner Charité wird unter anderem moniert, die eigenen Einzelbeobachtungen würden die Notwendigkeit eines Moratoriums für diesen Eingriff nahelegen, da allein sieben in Berlin nachbetreute Kinder einen shuntpflichtigen Hydrocephalus sowie alle eine Chiari-II-Fehlbildung und Lähmungen haben. Ein signifikanter Vorteil der pränatalen fetoskopischen Operation sei derzeit bei hohen Risiken für Mutter und Feten und für den Verlauf der weiteren Schwangerschaft im Vergleich zur Operation des Kindes nach der Geburt nicht schlüssig belegt. Einen Vergleich der Ergebnisse mit den systematisch untersuchten Schwangerschaften in der MOMS-Studie lehnt er als unzulässig ab.
Quellen: de.wikipedia.org
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